Als ich meiner größten Angst begegnete.

Als ich meiner größten Angst begegnete.

Ich gehe spazieren, einmal um den See herum, circa eine Stunde dauert es. Es regnet. Das stört mich nicht, ich habe meine Regenjacke an und einen Podcast auf den Ohren. Der Herbst zeigt sich in den schönsten Farben, die Blätter sind bunt, die Pilze sprießen aus dem Boden.

Zeit meines Lebens habe ich Angst vor Hunden, besonders vor Großen. Das lässt sich einfach erklären: ich bin in einer kleinen Siedlung am Stadtrand von Osnabrück aufgewachsen. Dort lief immer ein mittelgroßer zotteliger Hund frei herum. Er war fast blind und aus lauter Angst, da er nicht sehen konnte und Gefahr nicht vom Alltagstrott unterscheiden konnte, ging er ganz gerne mal auf Menschen zu, knurrte und schnappte auch mal.

Ich hatte tierische Angst vor diesem Hund, traute mich teilweise nicht zu meinen Freundinnen zu gehen und igelte mich manchmal lieber ein. Die Angst setze sich fest und sie hörte nie auf: Irgendwann wurde ich tatsächlich mal von einem Rauhaardackel gebissen. Endlich der Beweis: Hunde sind gefährlich .

An diesem Tag also, während ich um den See spazierte, überlegte ich kurz zu einer Badestelle ausweichen, um einen Seeblick zu erhaschen. Da höre ich schon das Gebell und die Rufe des Herrchen. Ich sehe, wie zwei große Hunde auf mich zu rennen – noch ca. 300-400m entfernt. Ich erstarrte. Herrchen ruft und ruft in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Das Rufen lindert meine Angst nicht im Geringsten, im Gegenteil, denn ich vermute, dass Herrchen einen guten Grund hat, seine Hunde so energisch zur Raison zu bringen. Instinktiv versteckte ich meine Hände in der Regenjacke in der Hoffnung, dass im Fall der Fälle der Regenstoff irgendwelche Zähne abhalten könnte. Normalen und festen Schritt ging ich bei also den Weg weiter. Einer der Hunde kommt. Die Rufe werden lauter.

Plötzlich ist er da. Auch das noch: Ein Kampfhund. Er kläfft und  knurrt.

Mit relativ fester (ich habe keine Ahnung) fester? Stimme sage ich: “Ja, jetzt ist auch gut. Aus” Da steht sie also, meine Angst, mir gegenüber und ich habe in dem Moment entschieden, dass es jetzt wirklich reicht. Ich weiß also nicht, ob ich zu dem Hund spreche, zu meiner Angst oder zu mir.
Ich gehe weiter. Mit festem Schritt. Der Hund dreht um und läuft davon. Ich zittere am ganzen Körper. Schweiß tritt aus all meinen Poren. Kurz überlege ich, ob ich weine . . . ich drücke diesen Gedanken aber weg und gehe strammen Schrittes weiter.
Irgendwann drehe ich mich für verstohlen um, immer noch nicht in der Gewissheit wieder allein zu sein.
Ich gehe ins Ferienhaus. Mein erster Gedanke war mir einen Schnaps zu gönnen – den kann ich nun gut gebrauchen. Einen solchen habe ich natürlich gar nicht da . . . Ich habe mich aber eh dagegen entschieden. Weil ich das Ganze noch ein wenig wirken lassen will, ich will diese Angst genießen. Eine 40 Jahre alte Angst ist mir begegnet, ich fühle sie. Ich möchte sie fühlen.
Und der Hund hat nichts getan . . .
Natürlich hätte es auch anders ausgehen können. Ist es aber nicht. Ich mache es mir bewusst.

Sie ist da, die Angst, ganz präsent, aber es ist jetzt Zeit ihr Lebewohl zu sagen.

Ein paar Stunden später empfinde ich Dankbarkeit für diese Erfahrung. Endlich kann ich meinen Rucksack, den ich so lange mit mir rumschleppe, öffnen und die Dunkelheit herauslassen. Ich habe mich gestellt. Bin nicht panisch weggelaufen (das hätte wirklich böse enden können). Nein, ich habe mich selbstbewusst der Angst gestellt. Und das ist es, was wir machen müssen: den Rucksack öffnen und uns selbstbewusst stellen. Noch einmal durch den Schmerz hindurch.

Um unsere Ängste zu besiegen und endgültig loszulassen.

Wenn wir uns unseren Ängsten nicht stellen, stellen diese sich uns früher oder später in den Weg. Sie verfolgen uns ein Leben lang, wie ein Schatten. Wir alle haben Aufgaben zu meistern, die uns das Leben stellt. Manche davon schmecken uns nicht, wir packen diese in unseren “Rucksack” und glauben, diesen bis an unsere Lebensende verschlossen halten zu können. Nur wird er schwerer und schwerer und hindert uns daran unseren eigentlichen Wünschen zu folgen. Es ist eine großartige Chance, wenn wir plötzlich mit unseren Ängsten konfrontiert werden! Wenn wir unseren Rucksack öffnen und wieder einen Teil des Ballasts ablegen können

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Ich freue mich!

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