Ein Klosteraufenthalt, der Fragen aufwirft.

Ein Klosteraufenthalt, der Fragen aufwirft.

Hallo ihr lieben, schön, dass ihr das Ende meiner Geschichte über den Klosteraufenthalt lesen möchtet. Karin erzählt uns, warum eine Rückkehr in ein „normales Leben“ keine Option für sie ist.

„Aber so einfach ist es eben nicht „zurückzukehren“, weil man im Westen nicht ernst genommen wird ohne solide Ausbildung. Wir erhalten unser Diplom nach 12 Jahren des höheren Studiums, aber wenn Sie jemandem in Europa sagen, dass Sie dreissig/vierzig Jahre in einem Kloster verbracht haben und ihnen das Diplom zeigen, werden sie meistens für verrückt gehalten und als „unbrauchbar“ eingestuft.

Die meisten von ihnen gehen zurück zur Universität, um den westlichen Abschluss in buddhistischer Philosophie zu erhalten, um zuhause weiter zu praktizieren und ein Lehrer in der westlichen Welt zu werden. Zum Glück kam dieser innere Kampf bei mir nie auf.

Es ist ein Traum, hier zu leben und ich werde es tun, bis ich sterbe.

„Es war eine Reise durch mein Leben, die alles völlig verändert hat und in keiner Weise reproduzierbar ist. Aber ich schaue nicht gerne zurück. Wenn du hier lebst, musst du ein normales Leben, das du vorher hattest, total vergessen. . . . Ich bin jetzt seit vierundvierzig Jahren in Kopan und die Menschen fragen mich oft, ob ich es wieder tun würde und die Antwort ist: JA, ich würde es noch einmal machen!

Ich fühle mich so privilegiert, eine entscheidende Rolle dabei zu spielen, andere Menschen für den buddhistischen Lebensstil und die Lehren des Dharma zu begeistern. Aber es ist wichtig zu erkennen, dass ich nur eine Kindergärtnerin bin, verglichen mit dem Wissen, der Weisheit und dem Mitgefühl all der wirklich großen Meister und soweit ich Glück verstehe, denke ich, ja: dass ich glücklich bin. Nun, ich bin zufrieden, lass es uns so ausdrücken. . . . es ist ein Traum, hier zu leben und ich werde es tun, bis ich sterbe“.

Nachdem ich zwölf Tage mit Karin, Caren und den Mönchen verbracht habe und mir eine Geschichte über den wahren Sinn des Lebens angehört habe, beginne ich langsam zu verstehen, warum die buddhistische Philosophie wohl die intelligenteste ist, die ich auf dieser Erde finden kann. Es war nur ein Kurs und wenn Karin sich nach 44 Jahren als „Kindergärtnerin“ betrachtet, bin ich wohl ein Würmchen tief in der Erde.

Dennoch: wenn man den Kurs richtig begreift kann er zu einer lebensverändernden Erfahrung werden: über die Art und Weise, die Dinge zu betrachten und seine innere Haltung zu verändern.

Es ist schwierig in unserer westlichen Gesellschaft, in der Zeit und Geld die wichtigste Währung zu sein scheint.

Jeder hat so seine Themen. Meine sind Begierde und Egozentrik, welche ich in Großzügigkeit verwandeln möchte. So frage ich mich jeden Morgen in meiner Meditation „how can I become a benefit for others“ – wie kann ich andere unterstützen? Was braucht meine Freundin, mein Kollege, Kunde, Coachee von mir? Wie kann ich der alten Dame an der Kasse helfen, anstatt mich darüber aufzuregen, dass sie ihr Kleingeld sortiert?

Was hat der Kurs bei mir verändert? Ich bin sehr in eine Kraft gekommen. Ich platze vor Ideen und Kreativität. Meine Sinne haben sich extrem verstärkt (ich rieche einen Apfel auf 4 Metern!!). Ich übe mich stärker in Geduld. Ich nehme mir mehr Zeit, andern zuzuhören, auch fremden Menschen gegenüber. Ich versuche, Begierde von wahrer Liebe zu unterscheiden und ersteres weniger stark zu verfolgen. Und, meine wohl größte Baustelle: ich übe mich in Großzügigkeit, im Urteilen, in meinen Gesten und Gedanken. Ich meditiere noch immer, in etwa jeden zweiten Tag 15-20 Minuten.

  • Nun möchte ich euch ein paar Fragen stellen:
  • Zeit ist ein konstruiertes Konzept. Was wäre, wenn Zeit keine Rolle spielt?
  • Was wäre, wenn Geld keine Rolle spielt?
  • Was wäre, wenn wir aufhören unsere Zeitknappheit mit Wichtigkeit zu verwechseln, aufhören unser „ach-so-beschäftigt-Sein“ zu feiern?
  • Was wäre, wenn wir stattdessen mehr Zeit damit verbringen zuzuhören, nachzudenken, zu meditieren und die Zeit mit lieben Menschen verbringen?

Ich wiederhole mein Lieblingszitat von Karin:

The whole world can change for you if you change your mind – Karin Valham

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