Freiberuflich: Lieber jammere ich über ups and downs als über Routine

Freiberuflich: Lieber jammere ich über ups and downs als über Routine

Neun Jahre bin ich nun selbständig. Eine Zeit mit Höhen und Tiefen.

Aber: ich kenne auch die „andere Seite“, die Festanstellung. Denn vorher war ich 10 Jahre festangestellt in Agenturen und Beratungen. Das war nix für mich – das merkt man unter anderen daran, dass die Stationen in der Festanstellung immer kürzer wurden. Auch fühlte ich mich immer unwohler. Das, was mir am meisten zu schaffen machte waren die festen Arbeitszeiten. Sowas wie flexible Arbeitszeiten waren “damals” noch rar und: ich konnte einfach nicht mein Ding machen. Meistens wurde ich von Vorgesetzten, oft genug aber auch von Kunden ausgebremst. Ich war in der Festanstellung mehr „Dienstleister“ als jemals in der Freiberuflichkeit. Ich spürte eine Routine und Angepasstheit, die anfingen, mich zu lähmen und unlebendig fühlen zu lassen.

Die Vorgesetzten bin ich nun los 😉 , die Kunden zum Glück nicht und hier hat sich einfach wahnsinnig viel geändert: sie kommen zu mir, um mich zu fragen, wie sie es machen sollen. Ich sage das mit viel Stolz, denn dafür habe ich hart gearbeitet. Und natürlich ist auch da eine Abhängigkeit, viel Verantwortung, aber eben auch viel viel Gestaltungsspielraum. Und Freiheit.

Habe ich jetzt Glück gehabt? Ich denke nicht! Denn was ich auch gelernt habe, ist Nein zu sagen. Nicht aus Angst zu Agieren. Den Rücken gerade zu machen. Im Vertrauen zu sein.
So ziehe ich mehr und mehr die Aufträge und Auftraggeber an, die mir gut tun (und denen ich gut tue).
Kompromisse? Ja, die gehören auch dazu, aber Verleugnung des eigenen Dinges? Nein.

Die Schattenseiten. Die gibt es. Die Bürokratie zum Beispiel. Obwohl Freiberufler einer stark wachsenden Gruppe angehören entlastet oder unterstützt uns der Staat nicht wirklich. Oder die Technik: ständig streikt der Drucker. Manchmal stampfe ich wütend mit dem Fuß auf „immer alles allein“… und rufe dann jemanden aus meinem freien Netzwerk an, um zu fragen, wie er damit umgeht (na sowas….wir sind gar nicht so allein).

Die Durststrecken. So eine habe ich gerade hinter mir, nach neun Jahren die wohl längste und das über den Winter. Es kam einfach nicht das passende rein. Und meine Kompromissbereitschaft (oder mein Leidensdruck) war dann wohl doch nicht groß genug, um „das ein oder andere“ mal anzunehmen. Nö. Stattdessen habe ich die Zeit genutzt, mich neu erfunden, mich weitergebildet und meinen ersten Online-Kurs gelaunched. Yeah!
Schlaflose Nächte gab es irgendwann auch… bin ich nicht mehr gefragt? Ist mein Profil zu schwammig? Bin ich zu alt, nicht up-to-date?

Aber lieber jammere ich über up and downs als über Routine

Das habe ich mir jeden Tag klar gemacht und mich mit der Antwort auf die Frage beruhigt: was ist das schlimmste, was passieren kann?

Na und plötzlich bricht so eine Durststrecke auf. Und eins sei gesagt: sie kommen immer in Scharen. Also die Aufträge. Resonanztheorie…mehrere Aufträge, die ich eigentlich nicht parallel wuppen kann. Absagen? Nö, hab Bock auf alles. Und auch hier gibt es Kompromisse. Wenn ein Kunde mich wirklich will, wartet er. Oder, was wir gemacht haben: Verstärkung geholt. Gemeinsam.

Sicherheit ist eine Illusion. Immer und überall. Auch in der Festanstellung.

Aber: ein wenig Sicherheit kann man sich erschaffen. Ich habe eine Summe, die ich als Rücklage brauche und die mich ruhig schlafen lässt. Seit einiger Zeit überweise ich mir auch ein Gehalt, um mit den Einnahmeschwankungen besser umzugehen.

Die einzig relevante Frage für den Start in die Selbständigkeit und für das Durchhaltevermögen lautet:

Wie sehr möchtest du, dass es DEINE Projekte sind, die erfolgreich werden?

Über diese Frage lasse ich dich jetzt ein wenig brüten. Am meisten hoffe ich aber, dass du dort, wo du bist, glücklich bist.

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