Karins erster Besuch in Kopan und was eine Meditation in den Tod bewirken kann

Karins erster Besuch in Kopan und was eine Meditation in den Tod bewirken kann

„Mein Freund Josef und ich beschlossen, nach Kopan zu gehen und am Meditationskurs teilzunehmen. Es war November 1974. Wir nahmen den Bus nach Boudhanath und gingen den Hügel hinauf. Ich erinnere mich, dass ich den ganzen Weg mit Josef gestritten habe und sagte, dass der Kurs zu lang war – einen Monat – und dass wir vielleicht einen kürzeren Kurs finden könnten. Er war eifriger als ich. Ich hatte begonnen, Heimweh zu haben, und Nepal war meine letzte Station, bevor ich nach Schweden zurückkehrte, um etwas Nützlicheres mit meinem Leben zu machen. Meine Reise hatte mich sehr gelehrt, aber ich war es leid zu reisen und fühlte das Bedürfnis, mein Leben neu zu sortieren.

Als wir ankamen, hatte der Kurs schon ein paar Tage früher begonnen und alle Teilnehmer meditierten in einem großen Rundzelt. Direkt vor dem Zelt stand “mein” Thangka von Shakyamuni Buddha, noch schöner in der Farbe. Etwa 150 Menschen, meist junge Reisende, saßen wie kleine Engel so friedlich und ruhig in der Meditation. Bei näherem Hinsehen erkannte ich einige der Leute, die ich in Freak Street in den Kaffeehäusern kennengelernt hatte, wo wir Hasch-Kekse mit jedem Tee oder Kaffee bekamen. Ich war erstaunt.

Wir waren im zweiten Stock untergebracht, dem Quartier der Mönche. Sie waren zusammen in einen Teil des Hauses gezogen und machten somit Platz für uns Besucher. Ich teilte mir ein Zimmer mit zwei anderen Mädchen, die auf Strohmatten auf dem Boden schliefen. Meine Besitztümer waren bis dahin auf das reduziert, was in eine kleine australische Schultasche passte. Bettzeug gab es keins. Es war ziemlich kalt in der Nacht und Josef hatte mir seine einzige Decke gegeben, also schlich er sich nachts neben mich, um zu schlafen – er war auch eiskalt. Ich erzählte dem Büro von unserem Problem, und Ven. Nick aus Kanada hat mir eine seiner eigenen Quilts gegeben. Das hat mich gerettet. Ich war so dankbar.

Der Meditationskurs erwies sich als die schönste Erfahrung in meinem Leben

Ven. Nick führte den Kurs und für mich war er der lustigste Mann, den ich seit langem getroffen hatte. Mit seinem Sinn für Humor hat er gekonnt alle möglichen Reibungen oder Probleme während des Kurses umschifft und wir haben viel gelacht. Lama Zopa Rinpoche lehrte zweimal am Tag.

Mai, 2018. 130 Kursteilnehmer sitzen in der Gompa, es ist Caren, die die Meditation „Death and Impermanence“ (Tod und Unbeständigkeit) führt. Wir beginnen mit der Vorstellung, dass wir in einem Bett liegen und unsere Lieben um uns versammelt haben. Langsam führt sie uns in den Tod. Unser Körper ist runzelig, schwach. Die Organe versagen. Unsere Gedanken, unser Gehirn. Alles vergeht. Nur der Geist bleibt. Der Tod ist gewiss. Wir können dem Leben keine Zeit hinzufügen, egal, wie intelligent, wie reich oder wie privilegiert wir sind. Mit jeder vergangenen Minute kommen wir unserem Tod näher. Die Zeit, Dharma zu praktizieren ist limitiert auf unsere Lebzeit. Der Todeszeitpunkt ist ungewiß. Alter ist kein Indikator, Gesundheit ist kein Indikator, Reichtum ist kein Indikator.

Die Meditation dauert etwas länger als eine halbe Stunde. Die Vorstellung von Tod wird für mich real. Es ist keine Vorstellung mehr. Ich atme tief ein und aus…

Als wir später darüber diskutieren höre ich, dass es den meisten Angst bereitet hat. Mir nicht. Die Tatsache, dass alles vorübergehend ist, erschafft mir Erleichterung. Ich war noch nie jemand, der Angst vor dem Tod hatte. Die Bewußtmachung, dass jeder Tag der letzte sein kann, intensiviert meine Gefühle gerade sehr.

 

Lest nächste Woche, wie Karin sich entscheidet, eine Nonne zu werden.

In Schweden war damals kein Raum für buddhistische Nonnen, also ging ich….

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