Speedcoaching „Mein Leben, mein Job und ich“.

Speedcoaching „Mein Leben, mein Job und ich“.

Am 27. September war ich als Speedcoach – eingeladen von XING Coaches und Trainer- auf dem Brigitte Symposium. Ich freute mich und war aufgeregt! Bei Ankunft zeigten mir zwei Mitarbeiterinnen von XING meine „Coaching-Nische“, versorgten mich und beantworteten meine Fragen, es gab noch ein Gruppenfoto mir den anderen 9 Coaches und dann hatte ich – ein Glück!- noch Zeit mir den Auftritt von Richard David Precht anzusehen: von allen Speakern interessierte mich am meisten, was er zu sagen hatte und ich wurde nicht enttäuscht. Wie immer finde ich seine Thesen gleichzeitig provokant und inspirierend – eine Kombination, die im Kopf und im Geist verbleibt.

Um 12h ging es mit dem ersten Speed-Coaching los! Wir waren den ganzen Nachmittag durchgetaktet. Ich erfuhr eine Menge über meine Klienten, die nicht immer mit einem klaren Anliegen zu mir kamen. Nun, in 30 min. ist es schwierig, strukturierte Interventionen durchzuführen und ich musste kreativ werden, aber das kann ich ja!

Mir hat das Coaching / Brainstorming gute Impulse gegeben. Danke dafür.
Beate Marianne Viehmann

Von den Speakern habe ich nicht viel mitbekommen – beim Austausch mit den Teilnehmerinnen nahm ich durchwachsenes Feedback wahr. In meinen sehr kurzen Pausen schaute ich mir die Kooperationpartner an und war überrascht: Marken wie „Madeleine“, Sally Hansen, l.o.v. cosmetics hatten Stände und boten ihre Services an. Die Schlange bei Sally Hansen war die längste. Um – genau! – sich die Nägel lackieren zu lassen! Ich unterhielt mich mit einer Teilnehmerin, welche Führungskraft in einem sehr konservativen Unternehmen ist darüber und wir schüttelten verwundert den Kopf. Sie gab mir recht: „Ich liebe schöne Nägel, aber das kann ich doch auch zuhause machen!“.

Moment… 250 € Eintritt und ich stelle mich in eine Schlange, um mir die Nägel lackieren lassen? Warum mache ich das…weil die Vorträge mich langweilen? Weil die anderen Kooperationspartner mich nicht interessieren? Weil ich gar nicht die Absicht habe, etwas zu verändern? Oder weil mir hier die Rahmenbedingungen für echte Veränderungen fehlen?

Dabei ist die Zeit für Veränderungen längst überreif. Eine Frau in einer Führungsposition in einer durch Männer dominierten Branche kam in mein Coaching. Sie ist konfrontiert mit Aussagen wie “Die wahre Waffe der Frau“ – mit Fingerzeig auf ihre hochhackigen Pumps. Oder in einer Präsentation „Sind Ihnen das jetzt zu viele Zahlen?“ Ja, liebe LeserInnen, das passiert. Ständig. Täglich.

Die Lage ist immer noch dramatisch: Frauen besetzen nur knapp jede dritte Führungsposition, in der Industrie sind es keine 17%.

Irritierend auch die Auswahl der Goodies: die NRW Bank verschenkt so einen Handtaschenhalter. Versteht mich nicht falsch, die Dinger sind praktisch – aber ist es das, was sie in uns Frauen sehen? Das sind die Hilfsmittel, die wir brauchen und suchen? Wer genau hat sich zu diesen Give-aways Gedanken gemacht? Ich hoffe, dass es Frauen sind, die sich einfach keine Gedanken über tiefgreifende Veränderungen machen müssen. Weil in ihren Jobs einfach alles in Ordnung ist. Oder weil ihre Jobs ihnen soweit gleichgültig sind, dass sie gedanklich mehr im Feierabend sind und sich überlegen, wo sie ihre Handtasche hinhängen.

Letztendlich habe ich zweierlei vermisst: Auf der einen Seite die ernsthafte Absicht, Frauen und ihre Probleme im Business verstehen zu wollen, diese in der Gründung und im Beruf zu unterstützen und endlich über die wahren Probleme zu reden, die wir im Berufsleben und in der Vereinbarkeit von Job und Familie haben. Auf der anderen Seite, der TeilnehmerInnenseite, habe ich die ernsthafte Veränderungsabsicht vermisst. Die Dinge beim Namen zu nennen und tiefgreifende Hebel zu setzen.

Tiefgreifende Hebel wie es beispielsweise die Rechtsanwältin Nina Straßner von Juramama in ihrer Beratungsarbeit bietet und die mit ihrem Stand vor Ort war. Sie berät Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Umstrukturierungsprozessen im Hinblick auf familienfreundliche Arbeitsmodelle der Zukunft und ist Bestsellerautorin des Buches „Keine Kinder sind auch keine Lösung.“ Wir brauchen diese Veränderungen, wir brauchen flexible Arbeitsmodelle, wir brauchen Netzwerke von und für Frauen, welche ein Gegenpol zu den männerdominierten Seilschaften werden können.

Solange ich mich aber lieber in die Schlange stelle, um mir die Nägel machen zu lassen anstatt mich mit einem der Kooperationspartner über Finanzen oder über die Veröffentlichung meines nächsten Buches (amazon kindle publishing war auch vor Ort) zu unterhalten, wird sich nichts ändern. Gar nichts.

 

 

 

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